Rückflug von Leipzig:
Nur beim Fliegen läßt sich das Gefühl völliger Freiheit spüren, das Gefühl der Leichtigkeit jeden Ort der Welt erreichen zu können. Nur wer fliegt, erkennt welch kleines Staubkorn er im Raum der Welten ist, daß es sich nicht lohnt den Tag mit Streit, Mißgunst oder sogar Haß gegen irgend jemanden zu verbringen, weil sich dadurch nichts ändert. Nur wer schon geflogen ist, hat gesehen wie schön unsere Welt ist, der weiß, welches Gefühl von Zufriedenheit und Ruhe in einem aufsteigt, wenn man entlang von Berghängen fliegt, an denen die Abendsonne die herbstlichen Farben des Waldes noch verstärkt.
All diese Gefühle durchströmten mich
als wir im Rahmen des Sachsenmarathon im Mai 2002 von Leipzig zurückflogen nach Brauna.
Das Gewitter das uns in Leipzig noch vorsorglich die Flugzeuge in eine Halle räumen
ließ, hatte sich verzogen, die Spätnachmittagssonne ließ die sich noch türmenden
Wolken in einem wunderbar klaren Weiß erstrahlen. Die Luft fühlte sich an wie Samt, war
kristallklar und kühl, aber nicht kalt. Ich hatte auch nicht mehr der Gruppenführer zu
sein, der ich beim Einflug in die Kontrollzone noch war, da alle anderen der Oldiegruppe
bereits Richtung Heimat unterwegs waren.
So konnte ich mit der Sonne im Rücken, den Flug
vollkommen genießen. Ich ließ meinen guten "Sunrise" die Zügel locker und der
Visa Motor zog uns mit seinen 40 Pferden schnurrend gen Osten, als wüßte er den Weg.
Gemächlich zogen unter uns Dörfer und Eisenbahnlinien durch.
Ein kleines Schloß erregte meine Aufmerksamkeit und ließ mich eine flache Ehrenrunde
drehen. Als ich den Flieger wieder aufrichtete, war es plötzlich da!
Völlig unerwartet stieg der Duft blühender Rapsfelder zu uns empor. Ich legte den Kopf
zurück, schloß für ein paar Momente die Augen und gab mich ganz der Freude über dieses
neue Ereignis hin, das sich nur im offenen Cockpit erleben läßt. Mit über 4000
Flugstunden hatte ich nie zuvor blühende Pflanzen im Flugzeug gerochen.
Als ich die Augen wieder öffnete zogen rechts über mir die Kameraden mit ihren
schnelleren C-42 an mir vorbei. Neidlos schaute ich ihnen nach und bedauerte sie wegen
dieser versäumten Eindrücke.
Als ich dann 5 Minuten nach ihnen überglücklich in Brauna landete, kam einer dieser
schnelleren Piloten zu mir und sagte: "Auf diesem Flug hattest Du richtig deinen
Spaß, oder?" Ich konnte ihm nur beipflichten und gönnte mir zum Abschluß dieses
wunderbaren Tages eine Zigarre.
Heinz Korella